Altersabsicherung für Unternehmer
Früher war ich Angestellte. Hatte Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Rentenbeiträge, die mein Arbeitgeber zur Hälfte mittrug.
Dann lernte ich die Welt der “Unternehmer” kennen, als ich selbst eine wurde. Eine Welt, die mir nie so richtig bewusst war. Unternehmer waren für mich vorher die “Kapitalisten” gewesen, die ihren Luxus aus der Arbeitskraft der armen ausgebeuteten Angestellten finanzierten. Man sieht es ja schließlich an den dicken Autos und den protzigen Eigenheimen!
Heute habe ich den Erfahrungsschatz von dreieinhalb Jahren Erstberatung von Existenzgründern aller Coleur, die ich an die Fachleute der Gründergenossenschaft weitervermittel – von der Fördermittelberatung bis zu den Werbemitteln. Und viele einst erfolgreiche Unternehmer waren dabei, - außerdem habe ich viele kennen gelernt auf Veranstaltungen: Handwerker, Produzenten, kleine Industrielle.
Und nun sehe ich: Selbständige leben permanent einen Hochseilakt. So schnell ist oben unten, und unten wieder oben. Wie oft werden aus Millionären Rentner ohne Ansprüche auf Altersbezüge, die von ihren Familien unterstützt werden und ganz arm ihre letzten Jahre fristen. Wie oft kratzen Handwerksmeister ihre letzten Reserven zusammen, um bloß nicht ihre Mitarbeiter zu entlassen, auch wenn es sie den eigenen Kopf kostet. Und zwar nicht aus Unfähigkeit, sondern weil Markt immer unberechenbar ist!
Der Mittelstand besteht ja nicht aus “Bonzen”, die seit Traditionen die Machtpositionen besetzen und mit Politikern ihre Pfründe sichern und vermehren! Der Mittelstand ist ein Völkchen der Abenteurer, der Dickköpfe, und oft genug der Menschenfreunde, die ohne Vision nicht leben können/ wollen.
Heute hatte ich wieder ein Gespräch mit so einer Mittelständlerin, die einmal sehr wohlhabend war – und wo nichts vom Glanz übrig geblieben ist als Erinnerungen und eine sehr gewählte Art, sich zu schminken und zu kleiden. Die mir erzählt hat, wie sie jeden Freitag ihre 25 Mitarbeiter zum Frühstück eingeladen hat, und wie sich um jeden Einzelnen gekümmert hat mit seinen persönlichen Problemen. Leider ist nun keiner ihrer Angestellten mehr da, der sich um sie kümmert oder sich für ihr Schicksal interessiert, damit muss sie wohl leben.
Vielleicht sind die Ausbeuter gar nicht da, wo man sie vermutet, vielleicht sind Ausbeuter ja auch die, die sagen, in so einem Staat gehen sie nicht arbeiten! Und für so wenig Geld schon gar nicht! Wie heißt es in dem Sprichwort so schön, das ich von Frau Preußner gelernt habe: “Wenn man Dir gibt, nimm. Wenn man Dir nimmt, schrei”
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Von: Eva Ihnenfeldt
Datum: 25. Oktober 2007
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Kommentare: 6

Ursula Betz 25. Oktober um 20:21 Uhr
Liebe Eva,
dein Bild vom Unternehmer war geprägt durch das was man alltäglich in Zeitungen und anderen Medien vorfindet – ganz normal. Denn wer geht schon an die Öffentlichkeit wenn es mal nicht “läuft”. Nun bist du mittendrin und kannst dir dein eigenes Bild machen. Wie viele Hemnisse, Schwierigkeiten und Schicksalsschläge schließlich ausschlaggebend sind oder waren. Wenn man verschiedene Perspektiven kennenlernt, dann kann man den anderen gegenüber besser verstehen.
Eva Ihnenfeldt 26. Oktober um 09:02 Uhr
Aber es macht mich sooo sauer! Ich habe schon immer Ungerechtigkleiten gehasst – und stehe grundsätzlich auf der Seite der Schwachen.
Hätte mir nur nie träumen lassen, dass ich die, die Unterstützung brauchen, mal unter den kleinen selbständigen Betrieben finden würde (und kleine heißt bis zu 50 Mitarbeitern!)
Ist doch irre: der Staat wird immer dicker und einflussreicher und verhindert auf allen Ebenen immer mehr freie Wirtschaft – und die kleinen mittelständischen Betriebe, die weit über 90 Prozent aller Unternehmen ausmachen und weit über 70 Prozent aller Arbeitsplätze anbieten, leben immer mehr auf dem Pulverfass – weil die Welt sich immer schneller dreht und morgen schon alles wieder ganz anders ist als noch heute.
Himmel: schließt Euch zusammen! Nur gemeinsam kann man Hindernisse auffangen und stark werden! Diese Dickköpfe und Eigenbrödler müssen das einfach kapieren! Lasst uns Genossenschaften gründen!
Dennis Arntjen 26. Oktober um 09:49 Uhr
Es ist so schwer das Thema differenziert zu betrachten. Ich glaube das liegt daran, dass nur die wenigsten – und ich zähle mich nicht dazu – wirklich beide Seiten sehen.
Wie auch? Wenn ich mein Leben lang Angestellter war und die Vorzüge dieses Status genossen habe, auf der anderen Seite aber sehe das einer – ein Unternehmer eben – sich die “Taschen vollmacht” dann sehe ich das was vermeintlich offensichtlich ist. Ich sehe aber eben nicht wie derjenige für sein Alter abgesichert ist, wie lang ein Arbeitstag für jemanden sein kann der nie richtig von der Arbeit abschalten kann und auch nicht wie es hinter der Fassade aussieht. Wie Ursula schon sagt: Wer berichtet schon in der Öffentlichkeit über schlechte Zeiten?
Auf der anderen Seite sehe ich den “faulen Arbeitslosen” der ja nur keine Lust hat zu arbeiten. Und ich betrachte wieder nur das offensichtliche und kann nicht erfassen was der Grund für die vermeintliche “Faulheit” ist. Vielleicht findet derjenige ja wirklich keine Arbeit? Vielleicht erfährt er keine entsprechende Unterstützung? Vielleicht weis er nicht was das Thema einer möglichen Selbständigkeit sein könnte. Und vielleicht kennt er Dich und die Gründergenossenschaft nicht Eva.
So sieht jeder immer ein kleines bischen in Schwarz und Weiß. Das ist Menschlich und durchaus nachvollziehbar.
Eva Ihnenfeldt 26. Oktober um 21:49 Uhr
Ach, was bist Du weise, und doch noch so jung!
Aber natürlich stimmt es, weiß ich ja. Nur ich erinnerte mich beim Schreiben gerade an das höhnische Reden eines überzeugten Ewig-Arbeitslosen, der über Einzelhändler spottete, die auf einer Veranstaltung ihre Sorgen beklagten. Er sagte: “jaja, wenn der Kaufmann klagt und stöhnt, geht es ihm gut” Und Herr Lippert von der FDP, der zufällig dabei war, antwortet ganz leise: “Da sind aber viele heute sehr still geworden…”
Und unser Anwalt Maik Swienty, mit dem ich heute noch über die unabgesicherten Unternehmer sprach, erinnerte mich daran, wie viele auch selbst schuld sind, weil sie immer mehr Schulden machen – um bloß wenig Steuern zahlen zu müssen! Das wird oft von Steuerberatern richtig hoch gepuscht. Maik meint, das kann richtig süchtig machen! Und am Schluss steht man denn da und hat das tolle Auto, das tolle Haus – und nix zu beißen…
Dennis Arntjen 26. Oktober um 22:43 Uhr
*hehe* Danke für die Blumen…
Den Herren den Du als “Ewig-Arbeitslosen” bezeichnest könnte man ja mal für ein paar Wochen in den Laden eines der Einzelhändler stellen… Das volle Programm. Vielleicht würde er dann auch ein bischen klagen weil es ihm so gut geht
.
Unbelehrbare gibt es immer. Und was das Thema Altervorsorge angeht werden auch die Angestellten lernen müssen, dass der Staat sich nicht mehr alles leisten kann. Da wird es sicherlich in einigen Jahren für viele ein böses erwachen geben.
)
(Hui. Ich klinge wie so einer von den Finanzberatern. Angst erzeugen um zu verkaufen… Igitt.
Eva Ihnenfeldt 28. Oktober um 11:27 Uhr
Tja, Du bist eben der ideale Verkäufer: authentisch, aufrichtig, überzeugt und willst immer nur das Beste für jeden. Dein Arbeitgeber kann sich wirklich glücklich schätzen…