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Die Existenzgründung:
Wie komme ich zur Geschäftsidee?

Neues vom Existenzgründerblog

Häufig habe ich potentielle, arbeitslose Gründer bei mir in der (kostenlosen) Dienstags-Sprechstunde, die mich fragen, womit sie sich denn selbständig machen könnten… Männer neigen da zu handwerklichen Dienstleistungen, Kurierfahrten – also zum so genannten “IHK-Hausmeister” – Frauen ohne genaues Ziel wünschen sich häufig, ältere Menschen zu betreuen, Haushaltsführung, Einkaufsdienste und Familienpflege.

Grundsätzlich kann ich nur Mut machen, eine selbständige Existenz zu wagen, bevor ich mich in meiner Arbeitslosigkeit resigniert damit abfinde, in Hartz IV zu kommen. Das ist auf jeden Fall die schlechteste aller Lösungen: einmal drin, kommt man nur mit äußerster Anstrengung wieder raus – die Statistiken beweisen, wie selten das gelingt. Traurig, aber war ja so politisch gewollt – warum auch immer.

Aber die “typischen” ersten Einfälle: IHK-Hausmeister und Haushaltshilfe, sind ebenfalls meistens zum Scheitern verurteilt. Viele Gründe sind für den häufigen Misserfolg der Gründer verantwortlich – und leider auch manchmal mit finanziell üblen Konsequenzen, wenn z.B. im Übermut gleich ein neues Auto gekauft oder geleast wurde…

Ich empfehle den Ratsuchenden normalerweise, sich hinzusetzen und ihre Untenehmensführung genau plastisch zu visionieren: wo will ich in fünf Jahren sein – wie ganz genau sieht mein Tagesablauf aus – was habe ich für Kunden mit welchen Aufträgen – werde ich Angestellte haben – und und und.

Da wird dann zum Beispiel schnell deutlich, dass der “flexible Fahrer” nur solange flexibel sein kann, wie es ihm an Aufträgen mangelt, – oder die Einkaufshilfe sieht, dass sie von einem Mini-Auftrag zum anderen rast – und die Wege zwischen den Auftraggebern den Gewinn auffressen (abgesehen davon, dass ihre Kunden ungern warten und sich in zeitliche Nischen schiebenlassen – und sehr oft anrufen, um irgendwelche Sorgen abzuladen, während man gerade woanders einen Auftrag ausführt…)

Was nun aber ist eine gute Geschäftsidee – und wie kann ich sie finden? Erst einmal muss ich Informationen einholen, lange, gründlich, systematisch, mit Dokumentation. Sozusagen in die “Existenzgründerschule” gehen. Entscheidungen treffe ich grundsätzlich erst, wenn ich alle mir zur Verfügung stehenen Informationen erhalten habe. Vorher ist es nur blindes Tappen.

Dann muss ich grundsätzlich beachten, dass organisches Wachstum der richtige Weg ist. Manchmal kommen auch potentielle Gründer in die Sprechstunde (allerdings nur sehr selten), die der Meinung sind, die Spitzengeschäftsidee zu haben – sie brauchen nur eine fünf- bis sechsstellige Finanzierungsquelle! Diese Gründer erkennt man daran, dass sie nie über Eigenkapital verfügen – meistens sind sie sogar ziemlich arm. Menschen, die wissen, wie schwer es ist, Geld zu verdienen und Geld zu vermehren, sind nie unter den (oft liebenswürdigen) Träumern.

Es ist nicht schlimm, über wenig Eigenmittel zu verfügen – aber es ist schlimm, sich einzubilden “Alles wäre gut und würde funktionieren, wenn ich nur Geld hätte”. Mit Phantasie, Beharrlichkeit, Zuverlässigkeit und einem optimistischen Menschenbild (wenn ich andere Menschen blöd finde, werden sie keine Geschäfte mit mir machen) lässt sich manch finanzielle Schwäche ausgleichen. Etwa 80 Prozent der über 100 Existenzgründungen, die die Gründergenossenschaft bis heute begleitet hat, sind ohne erwähnenswertes Eigenkapital an den Start gegangen – gescheitert ist fast niemand.

Also was ist nun die “richtige” Geschäftsidee: sie muss MEINS sein, sie muss mich porträtieren, sie muss mich wiederspiegeln, sie muss mein Baby sein. Egal, was es ist: vom Toilettenmann bis zum Produktionsbetrieb eines Ingenieurs – vom Werbeunternehmen bis zum integrativen Betrieb für geistig Behinderte: alles ist möglich, aber es muss erkennbar und erinnerbar sein wie ein Scherenschnitt meines Portraits – es ist ein Rätsel, das jeder lösen kann, und das immer zu anderen Ergebnissen führt. Und nur dieses eigene “Kind” ist stark genug, um Krisen zu überleben, um Frust einzustecken, um Enttäuschungen zu verkraften. Und glaubt mir, die kommen…

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Kommentare zu Die Existenzgründung:<br /> Wie komme ich zur Geschäftsidee?

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Gerhard Spannbauer 11. Juni um 23:14 Uhr


Das ist eine ausgezeichnete Ausführung, die ich nur bestätigen kann. Ich habe jahrelang Erfolgsvorträge gehalten und kam dabei mit unzähligen Selbständigen und Gründern in Kontakt. Dabei konnte ich klar sehen, dass es Erfolgreiche in den unterschiedlichsten Bereichen gab und die meisten eines gemeinsam haben: Sie sind in einem Bereich tätig, für den sie Leidenschaft, einen Bezug oder einfach eine Neigung oder eine Art Ader haben. Daher rate ich dazu, mal in sich zu horchen oder einfach zu überlegen, was jemand gerne tut, was er schon lange nebenher macht und wofür er besondere Fähigkeiten hat. Dies dürfte ein wichtiger Baustein sein. Übrigens: Bei mir persönlich ist dies selbstredend ebenso!

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Eva Ihnenfeldt 12. Juni um 19:23 Uhr


Danke für die Blumen!
Als ich direkt nach diesem Beitrag begonnen habe, Ihr Buch zu lesen, war ich selbst erstaunt: das, wovon ich schon immer überzeugt bin, haben Sie in so klare und verständliche Worte gebracht, dass ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, dass es einen Gründer auf der Suche nach dem “richtigen” geschäftsfeld kalt lässt.

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Gerhard Spannbauer 12. Juni um 23:09 Uhr


Ich danke für die nette Bestätigung. Sie sollten ernsthaft darüber nach denken, einen Vortrag zu organisieren. Meine acht Erfolgsregeln sind für Ihre Mitglieder genau das richtige. Ich bin den Weg gegangen, den mancher noch vor sich hat. Und auch alle diejenigen, die schon gut im Rennen sind, können stark profitieren. Mein Bestreben ist es, andere vor den Fehlern zu schützen, die ich gemacht habe und sie aus der Essenz meiner Erfahrungen profitieren zu lassen.