Durchschnittsverdienst bei 1.320 Euro monatlich – wie vor zwanzig Jahren!
Wissen Sie noch, was Sie 1986 gemacht haben?
Ich war 27 Jahre alt, hatte drei Kinder, und mein Mann war seit zwei Jahren mit dem Studium fertig und Assistenzarzt im Krankenhaus. Alte Familienvideos bringen mich zurück in diese Zeit, als unsere Familie langsam anfing, sich etwas leisten zu können: Urlaub, mal mittags beim Chinesen essen gehen, fabrikneue Möbel kaufen….
Und nun haben wir es schwarz auf weiß: trotz PC’s, DVD-Playern und I-Pods geht es uns durchschnittlich nicht besser als damals. Und dieser Durchschnitt sieht ganz anders aus als damals! Die Schere geht nachweislich immer weiter auseinander – Reiche immer reicher, Arme immer ärmer. Hausfrauen gibt es immer seltener, und ohne Zuverdienst der Ehefrau und Mutter können selbst Akademiker kaum noch eine Familie mit drei Kindern ernähren! Geschweige denn in den Urlaub fahren und mittags mal essen gehen!
Da kaufen wir uns lieber einen Hund, statt eine Familie zu gründen, nicht wahr? Meine älteste Tochter war letztes Wochenende mit ihrem Partner in Straßburg: da sah man viele richtig junge Leute mit ein, zwei, drei Kindern, die sich mit Gleichaltrigen auf den Plätzen tummelten – spielende Kinder in der Großstadt, Jubel, Trubel, Ungezwungenheit.
Anschließend eine Nacht Heidelberg: überall nur Erwachsene, und die wenigen Kinderwagen schiebenden Mütter und Väter waren so gut wie alle über 30, ja 35! Und eine junge Familie mit drei Kindern wirkte sofort verdächtig – sicher Hartz IV…
Meine Tochter erwartet im November ihr erstes Kind, im Gymnastikkurs für Schwangere ist sie mit 25 die konkurrenzlos jüngste (die meisten um 35), und als frischgebackene Hochschulabsolventin erhält sie neun Monate lang genau 300 Euro Elterngeld im Monat. Na, wenn man davon keine Familie ernähren kann! (Ihr Partner studiert noch, selbst schuld, wenn man schon so früh Kinder bekommt, nicht wahr?)
Jaja, wir ordnungsliebenden Deutschen sterben denn wohl langsam aus. Aber eins finde ich toll: wenn man in dieser Republik nur noch 1.300 Euro durchschnittlich (!) im Monat verdient, ja dann kann man sich auch getrost selbständig machen, das ist ja wohl keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr…
Diesen Artikel weiterempfehlen

Von: Eva Ihnenfeldt
Datum: 25. September 2007
Kategorie:
Tags:
Kommentare: 6

Rainer 26. September um 23:17 Uhr
Kleiner Preisvergleich:
Für das Jobben in einer Kneipe werden aktuell pro Stunde etwa 6,00 Euro gezahlt.
Vor 20 Jahren waren dafür durchaus 20,00 DM, also ~10,22 Euro realistisch.
Das Bier (0,3l) kostete damals in einer Gaststätte etwa 2,20 DM, also ~1,12 Euro, heute kostet es im Schnitt 2,00 Euro.
Lohnsenkung: ca. 40%
Preissteigerung: ca. 78%
Eva Ihnenfeldt 27. September um 13:01 Uhr
Und ein Mini-Strauß Fresien kostet im Moment 3,99 Euro!!! Also fast 8 DM.

Ich habe vor kurzem einen Facharbeiter von Opel in der Beratung gehabt. Man hatte ihm erst gekündigt – und dann direkt im Anschluss einen neuen Job angeboten – über eine Zeitarbeitsfirma zu einem Drittel seines bisherigen Lohns.
Einfach irre
Dennis Arntjen 23. November um 11:32 Uhr
Das Beispiel mit dem kündigen und denn als Zeitarbeitskraft wieder einstellen ist ja mittlerweile schon fast normal.
Ich kenne da Geschichten die lassen einem die Haare zu Berge stehen…
An sich ist das Instrument Zeitarbeit ein gutes. Das ganze macht flexibel und dafür war es ja an sich auch gedacht. Wenn es aber so ausgenutzt wird, dann muss man dem an sich einen Riegel vorschieben. Es kann ja nun echt nicht sein, dass dieses Instrument zur Gewinnmaximierng eingesetzt wird und somit an moderne Sklaverei grenzt.
Ich kenne ein Hagener Industrieunternehmen in dem die Belegschaft im eigetlichen Werk mittlerweile zu knapp über 50% aus Zeitarbeitskräften besteht. Diese haben einen geringeren Lohn und weniger Urlaub zur Verfügung als die eigentliche Belegschaft. Dem Unternehmen geht es seit einer ganzen Weile ziemlich gut. Pläne den Standort zu schließen sind – wenn man den Aussagen gegenüber dem Betriebsrat glauben schenken darf – ersteinmal vom Tisch weil die Auftraglage echt gut ist und die Produktivität – danke der Bereitschaft zu Mehrarbeit – deutlich gestiegen ist.
An sich könnte man jetzt davon ausgehen, dass nach und nach Zeitarbeitskräfte zu einem fairen Lohn in feste Anstellungsverhältnisse übernommen werden. Stattdessen werden feste Stellen abgebaut und die Quote der Zeitarbeitskräfte wird weiter erhöht.
Aber so funktioniert moderne Wirtschaft. Da ist man fast ohne jede Macht.
Eva Ihnenfeldt 23. November um 13:16 Uhr
Lieber Dennis,
danke für Deinen Hinweis. Habe extra heute noch einmal darüber geschrieben. Schade, dass dein Beitrag ein Kommentar und kein Beitrag ist – dann lesen das so wenige! Wenn Du Lust hast, was zu schreiben, mach das ruhig immer – ich freue mich!
P.Mayr 23. November um 20:06 Uhr
ich möchte nochmal auf den Kommentar von Dennis Arntjen eingehen, diese Verteilung der Arbeitsplätze (Zeitarbeiter festes Personal)das ist die moderne Wirtschaft. Nun bin ich Rentner, aber in meiner letzten Firma ist das Gang und Gebe, feste Neueinstellungen gibt es nicht, man hält sich nur einen festen Stamm als Sklaventreiber, der nur durch Vitamin B erneuert wird. Der Vorteil von Zeitarbeitern liegt klar auf der Hand, sie sind absolut steuerbar und kosten den Betrieb max. ein Drittel von dem eines Fest Angestellten und sind jederzeit austauschbar, ich könnte noch soviel schreiben zu diesem Thema, aber das würde hier den Rahmen sprengen, aber soviel weis ich, es wird noch große Finsterniss kommen.
Eva Ihnenfeldt 23. November um 22:37 Uhr
Vielleicht braucht man manchmal eine “große Finsternis”, damit die Leute endlich wieder wach werden?
Ist doch wirklich traurig, dass die SPD ihrem anvertrauten Klientel das alles so lächelnd eingebrockt hat – das musste wirklich nicht sein mit Hartz IV und der Zeitarbeitsfreigabe. Wirklich nicht.
Danke, dass Sie geschrieben haben!