Existenzgründer:
Krankenversicherung gesetzlich oder privat?
Neues vom Existenzgründer-Blog
Gestern abend war in unserem Versammlungsraum eine Veranstaltung der Victoria-Versicherung in Witten (Agentur Heinz-Günter Attelmann). Es ging um Vor- und Nachteile einer gesetzlichen bzw. privaten Krankenversicherung für Selbständige, die ja freiwillig versichert sind und sich darum auch frei eine passende Kasse – und passende Leistung aussuchen können. Gerade jüngere Existenzgründer überlegen schnell, sich besser voll privat versichern zu lassen, aber ich muss gestehen, dass ich da anderer Meinung bin
Für mich ist eine private Voll-Krankenversicherung vorrangig etwas für Beamte. Die haben ja keine ernsthafte Wahl, und da ist es richtig und sehr gut, sich privat zu versichern - denn klar, die Leistungen sind definitiv besser in privaten Kassen.
Aber gerade Selbständige wissen nie genau, wie es weitergeht. Wieviel sie in den nächsten Jahren, ja Monaten, verdienen werden. Immer kann etwas passieren, was einen umhaut, was zu enormen Einbrüchen beim Einkommen führt. Die private Versicherung kann darauf keine Rücksicht nehmen: da ist ein Versicherungsumfang vereinbart worden, eine Selbstbeteiligung, eine Beitragsrückerstattung bei Nicht-Inanspruchnahme der Leistungen und gut. Wenn man Schwierigkeiten mit den Beiträgen hat, ist das allein das Problem des Versicherten. Niedrigere Einkommen führen nicht zu niedrigeren Beiträgen.
Die gesetzliche Krankenversicherung hat tatsächlich in den letzten zwanzig Jahren immer mehr abgespeckt. Brille, Zahnersatz, Medikamentenzuzahlung, Praxisgebühr…der Versicherte wird immer häufiger zur Kasse gebeten – und der Beitrag ist immer höher geworden (für 2009 rechnet man mit einem Beitragssatz überall gleich von 15 bis 15,5 Prozent!)
Aber….wenn es einem schlecht geht, wenn das Einkommen sinkt, sinkt auch der Beitragssatz! Wenn es hart auf hart kommt, z.B. eine Insolvenz angemeldet werden muss, kann sogar die Beitragbemessungsgrenze an die Bedingungen von Hartz IV angepasst werden – und man zahlt nur etwa 180 bis 200 Euro (der normale niedrigste Satz für Freiwilig Versicherte liegt je nach Kasse bei 270 bis 320 Euro).
Ganz abgesehen davon gibt es ja nun auch immer wieder Menschen, die eine Familie gründen wollen. Bei der privaten Krankenversicherung muss ich jedes Familienmitglied zusätzlich versichern – bei der GKV sind die Beiträge gleich – egal wie viele Kinder ich noch bekomme, und wie gesund diese auf die Welt kommen…
In der privaten Versicherung wird nun ab 2009 auch ein Auffangbecken für “Verarmte Versicherte” eingeführt. Das hat der Gesetzgeber erzwungen, da privat Versicherte nicht mehr in die gesetzliche Krankenkasse zurück dürfen! Der Weg ist versperrt! (Es sei denn, man kommt in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit oder in Hartz IV) Aber dieser niedrigste Satz in der Privaten ist verbunden mit einem sehr eingeschränkten Leistungskatalog. Weitaus reduzierter als in der gesetzlichen Krankenversicherung…
Was ich empfehlen würde: erst einmal anfangen mit einer gesetzlichen Krankenversicherung (für Existenzgründer mit Gründungszuschuss gilt eine verminderter Beitragssatz von ca 180 Euro monatlich, wenn sie nicht hohe Gewinne machen) – auch noch nichts für die Altersvorsorge unterschreiben – erst einmal ein, zwei Jahre Erfahrungen sammeln und sich am Markt etablieren. Wenn das Einkommen gesicherter ist, wenn die Gewinne kalkulierbar sind und nicht mehr ein “von der Hand in den Mund” bedeuten – dauert erfahrungsgemäß drei bis fünf Jahre bei den meisten Existenzgründungen!), dann genau mit der Krankenkasse, einem Versicherungsmakler oder -vertreter des Vertrauens überlegen, welche Zusatzversicherungen sinnvoll sind. Da sollte man nicht auf den billigsten schauen, da sollte man wirklich Vertrauen haben können!
Sinnvoll sind meiner Meinung nach neben der privaten Altersvorsorge (gesetzliche Rentenversicherung ist fast immer schwachsinnig, da sie eine negative Verzinsung hat) z.B. eine Zusatzversicherung für die private Behandlung im Krankenhaus: Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer. Eine Krankentagegeldversicherung als Lohnersatzversicherung. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung, - ein Muss für körperlich Tätige. Eventuell, je nach Vorliebe, eine Zusatzversicherung für Naturheilverfahren und Heilpraktiker.
Und da kann man sagen, je jünger, je gesünder, je früher man sich entscheidet, desto günstiger kann so eine Zusatzversicherung sein. Leider ist es nicht möglich, pauschal Preise der Versicherungen zu vergleichen, da die Gesundheitsprüfung und andere individuelle Begebenheiten zu speziell für eine Pauschlierung sind. Aber man kann im Internet nachforschen, wie hoch die Klagequote der Versicherten gegen ihre Versicherung ist! Denn meiner Meinung nach ist am wichtigsten, wie sich die Versicherungen im Schadensfall verhalten! Da gebe ich gerne ein paar Euro mehr im Monat aus, kann mich aber darauf verlassen, dass mein Ansprechpartner sorgfältig den Vertrag mit mir erarbeitet – und ich im Krankheitsfall auch wirklich aufgefangen werde und abgesichert bin!
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Von: Eva Ihnenfeldt
Datum: 05. März 2008
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