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Facebook: Die Furcht vor der neuen Chronik

Christian Spließ: Sie kommt. Unausweichlich. Keiner wird sie ignorieren können, auch wenn man stöhnt und zähneknirscht. Facebook wird die neue Profilansicht für jeden Nutzer einführen. Nur: Ist das tatsächlich so schlimm wie man denkt?

Zugegeben: Sieben Tage als Frist nach der Umstellung um zu schauen welche Postings vielleicht doch besser nicht in die Öffentlichkeit kommen sollten ist schon etwas eng. Vor allem, wenn man längere Zeit bei Facebook ist häufen sich ja da doch einige Postings und Daten an. Da Facebook in der Vergangenheit auch die Listen nicht so einfach gestaltet hatte wie heute könnten nach der Umstellung auf die Chronik tatsächlich einige Dinge öffentlich sein, die besser hinter Schloß und Riegel gehören würden. Da hilft dann nur: Sich hinsetzen und ordentlich die Monate durchgehen, notfalls auch wenn man ganz sicher sein will bis zum Tag der eigenen Geburt. Zwar werden nur einige Monate in der Chronik aktiv angezeigt, aber anhand des Zeitstrahls ist ja jederzeit ein Browsen in der Timeline für jeden Freund möglich.

Allerdings: Das ist auch tatsächlich wirklich die einzige Gefahr, die beim Umstellen auf das neue Layout passieren könnte: Alte Einträge könnten für alle sichtbar sein. Selbst bei mir, ich habe die Chronik schon etwas länger, war das tatsächlich der einzige Knackpunkt. Ansonsten habe ich früher auch die Finger davon gelassen irgendwelche Lebensereignisse bei Facebook einzutragen wie Führerscheinerwerb, gebrochene Arme und Beine oder den Erwerb einer Wohnung. Ich bin da als Datenschützer sowieso etwas konservativer und trage nichts ein, was nicht unbedingt sein muss – zwei Einträge gibts bei mir, weil ich einfach mal sehen wollte wie das in der Chronik präsentiert wird.

Neue Darstellung, altes Facebook

Ansonsten ist die neue Form der Darstellung gewöhnungsbedürftig. Das ist aber bei jeder Neuerung bei allen Diensten so. Immerhin: Das große Profilphoto macht die Chronik schon mal gefälliger fürs Auge. Das alte Profilbild bleibt einem ja erhalten, es ist nur weiter nach links unten gerückt. Gewöhnungsbedürftig ist natürlich die Verschiebung von Funktionen, die vorher direkt unter dem Profilnamen zu erreichen waren – etliche sind jetzt direkt unterhalb des großen Bildes zu finden: Informationen, Aktivitätenprotokoll nochmal gesondert, aber auch die Notizen-Funktion ist gewandert. Auch deutlicher zu sehen mittels der Karteneinstellung sind die Facebook-Checkins für Orte. Die gabs vorher allerdings auch schon, da Facebook ja den Dienst Gowalla aufgekauft hat wird da sicherlich auch noch einiges an Funktionen kommen.

Besonders löblich aber: Endlich ist das Aktivitätenprotokoll deutlicher zu sehen. Was vorher im Untermenu des Untermenus zu finden war, ist jetzt mit einem Klick erreichbar. Das heißt: Das Managen der Nachrichten ist einfacher geworden was den Benutzerstatus anbelangt – nachträglich kann man Postings auf öffentlich stellen, ohne dass es die generelle Postingeinstellung an sich ändert. Das ist ein Gewinn, weil man dadurch besser kontrollieren kann ob ein Posting tatsächlich nur von Freunden oder von Bekannten gesehen werden kann. Die Funktion “Nur ich” ist vor kurzem dazugekommen. Wer statt des analogen Tagebuches Facebook nur für sich allein nutzen möchte, kann dies jetzt auch tun. Als Datenschutzbeauftragter muss ich allerdings davon abraten: Das ist allenfalls nur eine Darstellungs-Variante – natürlich hat Facebook auch bei dieser Einstellung Zugriff auf das, was man generell postet. Von daher: Facebook bitte nicht als Tagebuch benutzen!

Sicherlich wird man einige Zeit brauchen um die Funktionen zu finden – Facebook hat allerdings tatsächlich einiges mit der neuen Chronik getan um den Zugriff auf Funktionen zu verbessern und diese leichter auffindbarer zu machen. Und: Natürlich ist die Versuchung groß bei der neuen Chronik nun Daten einzutragen, die besser nicht eingetragen werden sollten – von der Wiege bis zur Bahre möchte Facebook ein komplettes Profil des Nutzers bereitstellen. Das ist natürlich ein Kritikpunkt, den ich mit anderen Datenschützern teile. Doch wer den Briefkasten nicht mit Werbung vollgemüllt bekommen möchte, sollte halt auch an keinen Preisausschreiben teilnehmen – und das kann man auch für die digitale Welt übertragen. Wobei Facebook auch ausdrücklich betont: Man MUSS ja nicht auf die neue Chronik umstellen – man KANN. Allerdings gilt auch in der digitalen Welt desöfteren ein Gruppenzwang…

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Der selbstständige Journalist und Social Media Redakteur Christian Spließ begleitet Unternehmen und Organisationen bei der erfolgreichen Umsetzung von Social Media Kampagnen. Christian Spließ ist einer der Social Influencer in NRW - vor allem über Twitter und Facebook.