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Fördermittel für Weiterbildungen

“In Deutschland ist Weiterbildung ein Schimpfwort” pflegt unser Unternehmensberater und sehr erfahrener Markt-Kenner Roland Betz zu sagen. Lange hat es gedauert, bis ich einsehen musste, wie recht er hat. Die Gründe? Bei uns läuft ein großer Teil der Weiterbildungen über öffentliche Fördermittel. Das unkomplizierteste bei uns in NRW ist der NRW-Bildungsscheck. Schnell, unbürokratisch, fördert Weiterbildung zu 50 Prozent bis zu zweimal im Jahr mit bis zu 500 Euro pro Fortbildung. Aber wenn Arbeitslose sich weiterqualifizieren wollen…

kommen wir in den Bereich der zertifizierten Bildungsträger, die sich seit vielen Jahren einen verheerenden Preiskrieg liefern. Heutzutage können zertifizierte Bildungsträger nur noch Stundensätze von 16 bis 18 Euro an ihre Dozenten zahlen! Für ausgebildete Sozialpädagogen, Ausbilder, EDV-Fachleute, die Hartz-IV-Bezieher trainieren, für Weiterbildungen von ALG-I-Bezieher in EDV, Büroorganisation, Logistik, Sicherheit usw. Das muss man einmal bedenken: für 16 Euro sich vorbereiten, anfahren, Skript erstellen, nachbereiten, Buchhaltung und – versteuern…

So mancher Dozent steht dann sehnsüchtig vor seinem Klientel und denkt “Ach, ich hätte auch gerne Hartz IV…” Ja, und dieser Markt greift über auf andere Weiterbildungsangebote. Unser Dozent für Steuerseminare, Diplom-Finanzwirt, Beamter – und seit vielen Jahren aus Leidenschaft am Wochenende für Kleinunternehmer und Existenzgründer unterwegs, erzählt, dass er bis vor zwei, drei Jahren alle Seminare binnen kürzester Zeit voll hatte (sehr günstige Kurse wegen BAFA-Förderung: 59 Euro für zwei komplette Tage) – und jetzt kommen sie manchmal noch nicht einmal zustande, weil sich nicht genügend TN anmelden!

Oder wir: hatten ein dreitägiges Existenzgründerseminar für 30,00 Euro – wurde nicht voll (mindestens 10 TN hätten wir gebraucht) – jetzt bieten wir nur noch einen dreistündigen betriebswirtschaftlichen Überblick – und siehe da, alle anderthalb Monate sind mindestens 20 Existenzgründer da/ (da sie die Bescheinigung für den Gründungszuschuss ja nun mal brauchen). Und oben genannter Roland Betz meint: “Wenn man ihnen anbieten könnte, für 50 Euro brauchten sie gar nicht zu kommen und bekämen nur die Bescheinigung – dann fänden viele das klasse”.

Ich verstehe das so: durch die Herabsenkung des staatlich geförderten Niveaus – denn klar, für 16 Euro kann man keine tollen Weiterbildungs-Dozenten erwarten – ist der Ruf von Weiterbildungs-Qualität so ruiniert, dass es wohl immer mehr dahin geht: “Wie, ich soll mich weiterbilden? OK, gibt mir Geld für jede Stunde, dann kommen wir eventuell ins Geschäft!”

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