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Hartz IV oder der alte Spruch:
“Genosse der Bosse”

Haben Sie schon einmal nachgewogen, wie viel Marmelade Sie sich auf Ihr Brötchen schmieren? Was die Butter wiegt und eine Tasse Tee mit Teebeutel aus dem Discounter? Und vor allem: was 25 Gramm Marmelade vom Aldi kosten (6 Cent) und eine Scheibe Käse (25 Cent)? Das alles hat der Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) errechnen lassen, um zu beweisen, wie wunderbar man von Hartz IV leben kann. Ich weiß ja nicht, was er seinen Beratern und Experten für die Erstellung eines “gesunden, wertstoffreichen” Speiseplans für 4,25 Euro gezahlt hat, aber…

sicher mehr als 128 Euro. Soviel darf ein ALG-II-Empfänger im Monat für Lebensmittel ausgeben, wenn er von seinem Regelsatz (im Westen 347 Euro) noch genügend Geld übrig behalten will, um Strom, Telefon, Kleidung, Drogerieartikel, Anschaffungen, Reparaturen und Fahrkarten zu bezahlen. (Hab ich was vergessen?) Natürlich nicht noch verschwenderisch sein mit Kino, Fastfood, Zigaretten und anderen Vergnügungen, das gehört sich ja wohl wirklich nicht für einen Transfer-Leistungsbezieher!

Sicher gibt es Langzeitarbeitslose, die noch über andere Einkommensquellen verfügen (ich persönlich gönne es ihnen von Herzen), aber es gibt auch sehr viele, die dies nicht tun, nicht tun wollen, nicht können. Die einfach nur ohnmächtig den Preissteigerungen ausgesetzt sind, die vielleicht sogar ganztags arbeiten und ergänzend Hartz IV erhalten, weil z.B. ein Nettoverdienst von 1.200 Euro nicht reicht, um eine vierköpfige Familie zu ernähren (müssen ja nicht so viele Kinder bekommen), die vielleicht alleinerziehend sind (ein Drittel aller alleinerziehenden Frauen sind arm), oder einfach nur über 50 und einfach nur arbeits- und perspektivlos.

Und da wagt es dieser Berliner Senator, so eine kleinkarierte Rechnung aufzumachen? Und lässt sich gleich darauf wieder mit illustren Leuten fotografieren mit Schampus zum Anstoßen und Häppchen vom erlesenen Buffet? Die können eben rechnen, die lachenden Foto-Promis, die könnten wunderbar mit vier Euro am Tag für Lebensmittel leben, – und mit weiteren acht Euro für alle weiteren Bedürfnisse des Lebens. Na denn Prost, Ihr Genossen der Bosse!

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