Nordhand eG – Unternehmer-Genossenschaft im Dortmunder Norden
Heute morgen hatte ich einen Termin bei der gerade entstehenden Nordhand eG – mitten in der Dortmunder Nordstadt. Auf der Hinfahrt fielen mir die vielen Männer auf, die auf der Mallinckrodtstraße standen, allein, zu zweit oder dritt -alle wohl ausländischer Herkunft. Als ich Herrn Artmeier von der Dortmunder Wirtschaftsförderung auf dieses Phänomen ansprach, antwortete er: “Ja, da ist der so genannte Arbeiter-Strich – die Männer warten den ganzen Tag auf …
…Gelegenheitsjobs, haben keine Arbeitserlaubnis, vielleicht sogar keine Aufenthaltsgenehmigung – und schuften dann den ganzen Tag für manchmal nur 10 Euro…”
“Und drüben, am Baumarkt, ist eine Straße, da stehen insgesamt bis zu 500 Frauen, hat unheimlich zugenommen in den letzten Jahren. Nicht mehr das klassische Klientel, Junkies und andere Süchtige, sondern zum Teil Frauen, die erst morgens die Kinder in den Kindergarten bringen, und sich dann hier prostituieren, um die Schulden abzahlen zu können” “Ja, und was bekommen die so?” “Keine Ahnung, vielleicht 10, 20 Euro – Und dann gibt es natürlich viele Frauen, z.B. aus Bulgarien, die zur Prostituion auch gezwungen werden”
Himmel, dachte ich, wo bin ich denn hier hingeraten. Ist ja wie im Fernsehen. Ja, und dann haben wir uns lange und intensiv unterhalten, in den Räumen der Nordhand eG, und es begann, in meinem Kopf zu arbeiten. Zum Einen habe ich große Bewunderung für Menschen, die sich wie Herr Artmeier (Beamter bei der Wirtschaftsförderung Dortmund) für Menschen engagieren, die in einer Welt leben, die nicht gerade rosig ist. Zum Anderen fasziniert mich diese Mischung aus Kulturen, leckerem Essen, lebendiger Nachbarschaft und gewachsener Vielfalt in einem Stadtteil, der übrigens der grünste Dortmunds ist! Mit köstlichen Restaurants! Mit preiswerten großzügigen Altbauwohnungen, die wunderschön sind und herrliche Ausblicke von aus Dachterrassen bieten! Ja, auch das ist die Nordstadt, der Borsigplatz mit den Arbeiterhäuschen, in denen heute junge Familien wohnen, Parks, die zu riesigen Spielplätzen wurden, in denen ehrenamtlich tätige Anwohner für die Kinder sorgen. Und, wie Herr Artmeier mir versicherte, Gewaltkriminalität ist hier nicht höher als in den “feinen” Stadtteilen Hombruch oder Asseln… nur die Beschaffungskriminalität ist bedeutend höher, aber nicht die Gefahr, abends Opfer von Schlägern oder Räubern zu werden!
So, nun zur Nordhand eG: wurde schon viel beworben, läuft vor allem unter “Mikrofinanzierungs-Genossenschaft” – was sie aber nicht sein will. Die Nordhand eG will kleine Unternehmen vernetzen, und auch kurzfristige Liquiditätsprobleme auffangen – sozusagen als Ersatz für fehlende Kontokorrent-Kredite. Aber vor allem will diese Initiative, die sich aus einem Projekt der Wirtschaftsförderung Dortmund entwickelt hat (dort arbeiten übrigens 87 Personen!!!! In Witten sind es meines Wissens nach zwei – und die müssen auch noch Liegenschaftsangelegenheiten “nebenbei” mitbearbeiten
) kleinen Unternehmen und Existenzgründern Rund-um-Unterstützung anbieten, damit diese langfristig erfolgreich am Markt bestehen können. Und die Nordhand eG will auf jeden Fall innerhalb kürzester Zeit aus eigenen Mitteln finanziert werden können (und müssen).
Ich hoffe sehr, dass es funktioniert. Und wer weiß, vielleicht können wir ja auch kooperieren! Ich finde zumindest das Engagement der Dortmunder Wirtschaftsförderer absolut vorbildlich und werde gerne unterstützen, was und wie ich es vermag.
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Von: Eva Ihnenfeldt
Datum: 29. August 2008
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