Vereinbarkeit von Familie und Beruf? “Die selbst-ständige Frau”
Gestern rief mich (wieder einmal) die Klassenlehrerin meines Jüngsten (16) an, um mir eindringlich klar zu machen, dass seine Arbeitshaltung und seine Leistungen sehr zu wünschen übrig lassen. Diese Bescheinigung fehlte und jene Hausaufgaben und die Berichtigung – und der Test war auch nix. Ich war ganz bedröppelt und mein schlechtes Gewissen schlug Purzelbäume – aber rabenschwarze. Mittags kam mein Sohn nach Hause, tröstete mich und meinte augenzwinkernd: Mama, schau mich an, ich bin ein glücklicher Mensch! Ich werde auch als Straßenpenner noch glücklich sein…”
Tja, einfach ist es nicht als voll berufstätige Frau mit viel Engagement und der kompletten finanziellen Verantwortung! Und ich gebe ja zu: ich liebe meinen Beruf und habe gar keine Lust, kürzer zu treten (abgesehen davon, dass ich mir im Grunde genommen noch nicht einmal eine längere Krankheit finanziell erlauben könnte..). Mein jüngster Sohn (die anderen drei Kinder sind erwachsen und leben selbständig) sieht mich vor allem mittags zum gemeinsamen Mittagessen – und das war’s! Meistens komme ich nicht vor zwanzig Uhr nach Hause – oft genug noch später.
Und oft genug habe ich Mütter bei mir in der Existenzgründerberatung, die noch kleinere Kinder und genau das gleiche Problem haben: ein ewig schlechtes Gewissen und die ewige Zerrissenheit zwischen Familie und Beruf. Eine befreundete Psychologin meinte letzte Woche zu mir (ihr Sohn ist auch gerade in der Pubertät und sie arbeitet in Vollzeit): “Manchmal sehne ich mich nach Hartz IV”.
Warum kann dieses Land nicht endlich kapieren, dass Hausfrauen, die ein “kleines erfolgreiches Familienunternehmen” führen, eine vom Aussterben bedrohte Gattung ist! Warum können wir nicht endlich sauber zwischen Schule und Familie trennen? In der Klasse meines Sohnes haben mehr als die Hälfte der Kinder Nachhilfe. Das ist doch krank! Können die Kinder aus Deutschland nicht endlich genau wie überall auf der Welt in der Schule Hausaufgaben machen, Sport und Hobbies leben und gemeinsam lernen, bis sie alt genug sind, sich für eine berufliche Richtung zu entscheiden?!
Mir bleibt nur die Gewissheit, dass alle meine Kinder wunderbare Menschen geworden sind, die trotz Durchhänger in der Schule ihren Weg gefunden haben – und auch mein Jüngster wird nicht beruflich versagen, dafür ist er viel zu solide, klug und selbstbewusst. Aber froh bin ich vor allem, weil er nicht (so wie seine schüchterne Mutter damals als Kind) unter den Lehrern und ihrer Allwissenheit und Allrichtenheit leidet. O-Ton: “Glaub mir, das ist mir sch…egal”
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Von: Eva Ihnenfeldt
Datum: 23. April 2008
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