Zum Tod von Vera F. Birkenbihl ein weiterer Nachruf – von Eva Ihnenfeldt
Am 3. Dezember 2011 ist Vera F. Birkenbihl, die international bekannte Lern-, Kommunikations- und Hirnforscherin, im Alter von 65 Jahren in ihrem Haus in Osterholz-Scharmbeck an einer Lungenembolie verstorben. Ich hatte – wie viele andere Menschen auch – die große Ehre, sie persönlich kennen lernen zu dürfen. Da sie mich mit ihren Forschungen und Erkenntnissen sehr geprägt hat, auch von mir in kleiner Nachruf.
Ich lernte Vera F. Birkenbihl (einmal sagte sie am Telefon zu mir: “Nennen Sie mich nie ‘Vera Birkenbihl’ – ich heiße ‘Vera F. Birkenbihl’”) in Neuss kennen, genau am 18. Juni 2010. Sie wollte nur einen ganz kurzen Vortrag halten, so 20 Minuten, sie war da auch schon ziemlich krank. Herein fuhr sie mit einem Tretroller, da sie zu schwach zum Laufen war. In den ersten zehn Minuten konnte sie kaum sprechen, das Atmen viel ihr schwer.
Doch je länger sie sprach, je mehr Folie sie mit ihren fantastischen Zeichnungen füllte, je mehr sie ihre Gedanken für uns alle (etwa 70 Gäste) ordnete und ausbreitete, desto jünger, frischer und lebendiger wurde sie. Wir waren alle ergriffen von einem kleinen Wunder, das bewies, wie wahrhaftig ihre Ausführungen über “Hirngerechtes Denken” sind. Nur diese Wahrhaftigkeit machte es möglich, dass ein geschwächter Mensch so über sich hinauswächst und so viel Kraft aus einer unsichtbaren Energiequelle sammelt.
Irgendwann war die Folie im Tageslichtschreiber verbraucht und wir mussten ihr Papier besorgen, das sie dann blind zu uns gewandt beschrieb, damit wir lesen konnten, während sie zeichnete. Sie beantwortete unzählige Fragen und half auch mir sehr konkret mit ihrer sensiblen Auffassungsgabe.
Ich fragte, ob man auch mit Computer und Fernsehen hirngerecht lernen könnte, und sie gab mir den Tipp, StarTreck zunächst immer wieder auf Deutsch – und schließlich im Original mit englischen Untertiteln zu gucken, um schnell Englisch zu lernen. (Tatsächlich ist mein schlechtes Englisch trotz Leistungskurs vor vielen Jahren mein größtes Handicap in meinem Beruf).

Für mich ein einschneidendes Erlebnis: Kein Wort war umsonst - und doch hätte man mit diesem Vortrag Bücher füllen können
Nach drei Stunden konzentriertem Aufsaugen jedes einzelnen Wortes entließ sie uns endlich. Wir Zuhörer waren völlig erschlagen – sie saß da mit glänzenden Augen und einem spitzbübischen Lächeln. Ich ging zu ihr nach vorn und fragte: “Frau Birkenbihl, sind Sie spirituell?” Sie antwortete schlicht “Ja”. Ich durfte dann noch die zwanzig Meter beschriebene Folie mit nach Hause nehmen -und wir haben uns noch einige Male gesehen und telefoniert. Sie ist eine warmherzige, empathische Frau, aber vor allem ist sie eine geniale Forscherin. Ihr Haus bei Bremen ist vollgestopft mit Büchern, immer lief der Fernseher, und sie arbeitete am liebsten in der Nacht, wenn keine Alltagsgeschäfte ablenken.
Wie zeichnen sich ihre Forschungen aus?
Ich persönlich lerne besonders gut von ihren Vorträgen im Video. Die Bücher sprechen mich weniger an. Sie hat mir Worte gegeben für das, was ich schon immer immer irgendwie vermutet habe, ohne es ausdrücken zu können. “Verstehen heißt Behalten” ist so ein Kernsatz, und die Vorstellung, dass wir im Laufe unseres Lebens Wissensnetze knüpfen und diese immer dichter weben, entspricht genau meinem Empfinden. Auch ich komme mit “Pauken” nicht zurecht und kann nur das in meine Erinnerung implementieren, was ich wach, aufnahmebereit und bereitwillig “aufsauge” – alles Andere ist im Grunde genommen verlorene Zeit.
Ebenfalls sehr wichtig finde ich die Bewusstmachung der “Meme”, der Viren des Geistes, mit der wir Menschen uns gegenseitig anstecken, ohne sie zu hinterfragen. Im Zeitalter von Twitter und Facebook erhalten diese Meme noch viel mehr Bedeutung und haben ihren Weg zu Wikipedia gefunden als “Internet-Phänomene”.
Vera F. Birkenbihl hat es verstanden, aus Unmengen von wissenschaftlichen Veröffentlichungen neue Schlüsse zu ziehen und die Erkenntnisse vieler internationaler Hirnforscher und anderer Wissenschaftler für praktische Anwendungen nutzbar zu machen. Gerade für das Erlernen fremder Sprachen, für Führungskompetenz und Selbstentwicklung sind ihre Forschungsergebnisse unersetzlich und einzigartig. Hier noch einmal mein Lieblingsvortrag bei YouTube, der in insgesamt 10 Fortsetzungen das schwierige Thema von “Exoterik – Esoterik” beleuchtet, also den Unterschied zwischen Von innen nach außen gucken und von außen nach innen…
“Einen Tag vor Deinem Tod – kehre um” heißt es im letzten Teil des Vortrags. “Das verschafft ungeheure Klarheit. Ich nehme keine Vorträge mehr an, die ich nicht annehmen würde, wenn ich morgen sterben würde” Danke liebe Vera F. Birkenbihl – Sie haben ein Stückchen die Welt verbessert, es war ganz sicher nicht umsonst.
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Von: Eva Ihnenfeldt
Datum: 04. Dezember 2011
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